Kostenfreie oder -günstige Rechtsberatung für Privatpersonen

Häufig wenden sich Privatpersonen mit Rechtsfragen an Pro-bono-Vermittlungen. Deshalb haben wir folgende erste Hinweise und die wichtigsten Adressen für kostenfreie oder  -günstige Rechtsberatungsangebote für private Ratsuchende zusammengestellt:

Verbraucherzentralen

Die örtlichen Verbraucherzentralen bieten sachkundige, anbieterunabhängige Informationen, persönliche Rechtsberatungen und außergerichtliche Rechtsvertretungen zu allen Fragen des Verbraucherrechts an. Die Kosten hängen vom Beratungsthema ab und beginnen bei ca.  15 EUR für 20 bis 30-minütige Beratungen oder Auskünfte per E-mail.

Hier gelangen Sie zu einer Übersicht über die einzelnen Verbraucherzentralen.

Beratungshilfe

Grundsätzlich gilt, dass Rechtsberatung kostenpflichtig ist. Wer sich einen Rechtsanwalt finanziell nicht leisten kann, kann bei Vorliegen weiterer Voraussetzungen nach dem Beratungshilfegesetz (BerHG) und mit geringem Eigenbeitrag Beratungshilfe in Anspruch nehmen.

Die Beratungshilfe kann bei dem zuständigen Amtsgericht des Wohnbezirks beantragt werden. Das zuständige Gericht finden Sie hier: Orts- und Gerichtsdatenbank.

Beratungshilfe wird in außergerichtlichen Angelegenheiten des Zivilrechts, einschließlich des Arbeitsrechts, des Verwaltungsrechts, Verfassungsrechts, des Sozialrechts, des Strafrechts und Ordnungswidrigkeitenrechts gewährt.

Sie wird in der Regel von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten oder Rechtsbeiständen erbracht. Wenn eine sofortige Auskunft, ein  Hinweis auf andere Hilsangebote schon ausreicht oder es nur um die Aufnahme eines Antrags oder einer Erklärung geht, kann die Beratungshilfe auch direkt vom Amtsgericht geleistet werden.

In den Bundesländern Hamburg und Bremen gibt es keine Beratungshilfe, sondern der Rechtsrat wird Ratsuchenden mit geringem Einkommen von der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle Hamburg (ÖRA) oder der Öffentlichen Rechtsberatung Bremen (ÖRB) gewährt.

In Berlin kann der Rechtssuchende zwischen einer öffentlichen Beratung durch die Bürgerämter und einer anwaltlichen Beratungshilfe wählen.

Prozesskostenhilfe

Die Zivilprozessordnung sieht in § 114 ff. ZPO vor, dass einkommensschwachen Personen finanzielle Unterstützung zur Durchführung von Gerichtsverfahren gewährt werden kann, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint. Prozesskostenhilfe (PKH) kommt in Verfahren vor den Zivil-, Verwaltungs-, Arbeits-, und Sozialgerichten sowie dem Bundesverfassungsgericht in Frage.

Die PKH bewirkt, dass die Person, die PKH erhält, auf die Gerichtskosten keine Zahlungen leisten muss. Die PKH erstreckt sich auch auf die Kosten einer anwaltlichen Vertretung,  wenn das Gericht der PKH-Partei auf Antrag einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin beiordnet. Aber Achtung: Die PKH-Bewilligung umfasst nicht die Rechtsanwaltskosten der Gegenseite, wenn der Prozess verloren wird.

Weitere Informationen zur PKH finden Sie zum Beispiel auf der Seite des Niedersächsichen Justizportals.

Schuldner- und Insolvenzberatungen

In vielen Städten existieren öffentlich geförderte, gemeinnützige Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen. Sie stehen Menschen mit Schuldenproblemen und bei Überschuldung mit Rat und Hilfe in psycho-sozialer, finanzieller und rechtlicher Hinsicht zur Seite.

Hier finden Sie alle staatlich anerkannten Schuldnerberatungsstellen in ganz Deutschland auf einen Blick.

Studentische Rechtsberatungen 

An vielen Universitäten in ganz Deutschland haben sich mittlerweile studentische Rechtsberatungen, auch Law Clinics oder Legal Clinics genannt, organisiert. Je nach Ausrichtung der einzelnen Law Clinic bieten Jurastudentinnen und -studenten unter Aufsicht oder Anleitung zugelassener Rechtsanwälte kostenfreie Rechtsberatungen zu unterschiedlichen Themen und für verschiedene Zielgruppen an.

Während sich einige Law Clinics, speziell an Flüchtlinge und Asylbewerber richten (Refugee Law Clinics) oder sich mit Spezialthemen, wie z.B. den Grund- oder Menschenrechten befassen, bieten anderen Law Clinics Pro-bono-Beratungen zu allen möglichen Rechtsfragen für Studenten, gemeinnützige Vereine, Stiftungen und bedürftige Rechtsuchende an.

Da kein vollständiges Verzeichnis der studentischen Rechtberatungen in Deutschland existiert, empfehlen wir Ihnen die Google-Suche.

Verbände und Vereine

Darüber hinaus sind kostengünstige und themenspezifische  Beratungsangebote auch bei vielen Vereinen und Verbänden zu finden.

Die freien Wohlfahrtsverbände, wie z.B. die Arbeiterwohlfahrt, der Deutsche Caritasverband, das Deutsche Rote Kreuz oder die Diakonie bieten zu vielen sozialen Themen günstige oder freie Rechtsauskunft an.

Ferner betreibt der führende Verband zu Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung in Deutschland pro familia ein flächendeckendes Beratungsnetz in der Bundesrepublik. Neben Sexual-, Schwangerschafts-, und Paarberatung werden gegen eine geringe Gebühr auch familien- und arbeitsrechtliche Beratungen erbracht.

Bei Ärger in mietrechtlichen Angelegenheiten können sich Mitglieder des Mieterschutzbundes von dessen Mitarbeitern und Mitabeiterinnen kompetent beraten lassen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Finden des passenden Beratungsangebots!

Haben Sie weitere Infomationen und Quellen kostenfreier oder -günstiger Rechtsberatungen für private Hilfesuchende für uns? Dann freuen wir uns über Ihre E-mail an info(at)proboneo.de.