Fünf gute Ideen für mehr gesellschaftliche Wirkung

Janet Thiemann_ELTERN-AGDie ersten Jahre eines Kindes sind die wichtigsten für Gesundheit, Bildung und Teilhabe. Was hier richtig gemacht wird, trägt ein ganzes Leben. Für viele sind die ersten Jahre jedoch auch die schwierigsten. Manche Eltern brauchen am Anfang ein wenig Unterstützung. ELTERN-AG ist ein besonderer Elternkurs – speziell für Familien in besonders belastenden Lebenssituationen mit Kindern von der Geburt bis zur Einschulung sowie für werdende Eltern. Denn alle Eltern in Deutschland wollen gute Eltern sein. Seit 2005 unterstützt das Programm ELTERN-AG Familien dabei, für ihre Kinder das Beste zu tun. Wie die meisten sozialen Organisationen stellten sich die Macher nach den ersten ELTERN-AGs die Frage, wie sie mehr Familien erreichen können. Janet Thiemann, die Geschäftsführerin der MAPP Empowerment GmbH (www.eltern-ag.de), hatte umfangreiche Pro-bono-Unterstützung und hat für Proboneo fünf Lernerfahrungen aus der Entwicklung der ELTERN-AG aufgeschrieben.

1. Erst kapieren, dann kopieren

Es gibt mehrere Wege eine gute Idee zu verbreiten. Als Open Source-Handbuch, als Social Franchise oder eigene Standorte? Egal für welches Verbreitungsmodell Sie sich entscheiden, das Angebot soll eine gleichbleibende Qualität haben. Nach der Entwicklung des Grundkonzepts haben wir noch einmal ganz genau hingeschaut, welche Teile essentiell für die gesellschaftliche Wirkung sind und welche zusätzliche Bausteine. Jetzt können wir die neuen Partner viel schneller in die Lage versetzen, selbst für die Eltern aktiv zu werden.

2. Vom Verbreitungsmodell zum Geschäftsmodell

In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Kultur der „Projektitis“ eingeschlichen, die gemeinsam mit der Overhead-Phobie die Finanzierung für gesellschaftlich relevante Vorhaben schwierig macht. Eine gute Idee zu verbreiten ist zu großen Teilen Overhead-Tätigkeit, die ungern von Stiftungen oder öffentlichen Trägern finanziert wird. Gut, wenn eine Organisation auf eigene Einnahmen bauen kann. Diese Einnahmen können durch Schulungs-, Franchise-, Mitglieds- oder Lizenzgebühren, über Materialverkauf, eine Umlage der Gemeinkosten oder Beratungssätze erzielt werden. Unsere Partner entrichten eine einmalige Schulungsgebühr, um die Methode zu erlernen, sowie eine fortlaufende Qualitätssicherungsgebühr, um die Kurse unter dem Namen ELTERN-AG anbieten zu können und an der regelmäßigen Qualitätssicherung teilzunehmen.

3. Existierende Strukturen nutzen

Unser Ziel ist es, eine gesellschaftliche Lösung zu skalieren und nicht unsere Organisation. Viele ELTERN-AGs werden vor Ort von den etablierten Trägern der Freien Wohlfahrtspflege, wie zum Beispiel AWO, DRK oder die christlichen Wohlfahrtsorganisationen, durchgeführt. Der Aufbau von neuen Strukturen ist immer kostspielig und langwierig. Wir haben uns gefragt: Wo sind die Menschen, die wir erreichen möchten? In Deutschland gibt es die großen Wohlfahrtsverbände, die zusammen wesentliche Teile des sozialen Sektors ausmachen. Weit über 50 Prozent aller sozialen Einrichtungen in Deutschland sind in Trägerschaft der Freien Wohlfahrt. Als kleine Organisation ist es ratsam, sich nicht vom Wohlfahrtssystem abzugrenzen, sondern gezielt die Zusammenarbeit zu suchen.

4. Marathonläufer statt Sprinter

Wir brauchen für unsere Vision viel Zeit und Energie. Es ist ein Trugschluss, dass der Aufbau einer sozialen Organisation – weil sie „sozial“ ist – mehr Work-Life-Balance zulässt als die Gründung eines For-Profit-Unternehmens. Unser Team braucht viel Durchhaltevermögen: Management von Kooperationen, Fundraising, sowie Vertrieb, Strategieentwicklung und viele Nachtschichten, Fehler, Hochs und Tiefs.

5. Pro-bono-Kompetenzen für den Turbo

Bei der Verbreitung der ELTERN-AG brauchten wir die Offenheit, mit Experten, Beratern und Unternehmern in Kontakt zu kommen, die unterschiedlichen Sprachen zu verstehen und die betriebswirtschaftlichen Methoden an unser eigenes Geschäftsmodell anzupassen. Wir merkten schnell, dass sich die Herausforderungen wachsender Sozialunternehmen gar nicht so sehr von denen konventioneller Unternehmen unterscheiden. Pro-bono-Kompetenzen in Vertrieb, Marketing und Personalmanagement haben uns geholfen, uns weiter zu entwickeln.EAG01

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